27/04 2011

Warum Chor und Orchester für alle?


Das Musikprojekt der Rudolf Steiner Schule Bochum ist die Keimzelle der inzwischen breit angelegten, musikalischen  Instrumentalarbeit an den Grundschulen NRW. Es umfasst das zweite und dritte Schuljahr.
Die Kinder suchen sich am Ende der ersten Klasse in einem Instrumentenkarussell eines von acht Instrumenten aus. Ab der zweiten Klasse bekommen sie dann, als Bestandteil des normalen Unterrichts, zwei Mal pro Woche Instrumentalunterricht. Die Gruppenstärke liegt bei 3-maximal 5 Kindern. 
In den zwei Musikprojektjahren finden drei Konzerte statt, in denen die gemeinsam erübten Lieder gespielt werden.
Die diplomierten und erfahrenen Instrumentallehrer kommen für das Musikprojekt, die Orchesterarbeit und den anschließenden, privaten Musikunterricht, an die Schule.  Das Musikprojekt ist der erste Teil eines musikalischen Gesamtkonzepts der Schule. Es findet  nach dem Musikprojekt, also ab der vierten Klasse, vielfältige Ensemble und Orchesterarbeit bis in die 12. Klasse statt.

An unserer Schule ist jeder Schüler ab der sechsten Klasse Mitglied eines Orchesters oder eines Chors. Diese Arbeit fördert eine Reihe von Kompetenzen, die den Schülern auch in anderen Bereichen zur Verfügung stehen.

Unsere Orchesterordnung  

Antrag auf Gastaufenthalte in Chor und Orchester der Oberstufe v11


Neun Orchester und "Jedem Kind sein Instrument"


Insbesondere unter musikalischen Aspekten zählt unsere Schule zu den „Großen“ - womöglich ist es sogar die einzige Schule in Europa, die über 9 unterschiedliche Orchester verfügt. Dass sowohl in der Unter- als auch in der Mittel- und Oberstufe immer ausreichend musizierende Kinder „nachwachsen“, dafür sorgt u.a. unser ambitioniertes Ausbildungssystem „Jedem Kind sein Instrument, welches als Teil unseres Schule 2000 -Modells schon viele Nachahmer gefunden hat.

Hier ein Rough Mix aus den Aufnahmen des großen Jubiläumskonzertes der Oberstufenorchester anlässlich der 50-Jahr-Feier der Rudolf-Steiner-Schule Bochum Langendreer am 25.05.2008

Hörprobe


Orchester


An der Waldorfschule hat die Orchesterarbeit eine besondere Stellung und ist deshalb fester Be­standteil des Lehrplans. Die Schüler besuchen ab der sechsten Klasse eines der Schulorchester. Sie haben je nach Instrument die Wahl zwischen Blasorchester, Streichorchester, Leierorchester, Gitarrenorchester oder Chor. Die Orchesterarbeit fördert in besonderem Maße breit gefächerte Kompetenzen.

Ein Instrument zu erlernen gehört zu den schwierigsten menschlichen Leistungen überhaupt und ist ohne Ausdauer, Fleiß und Disziplin nicht zu schaffen. Wer Dur und Moll übt, Allegro und Andante, Triolen und Siebenachtel-Rhythmen, trainiert gleichzeitig Gehör, Körperwahrnehmung, Reaktionsschnelligkeit, Intelligenz und Feinmotorik. Das Zusammenspiel in der  Orchesterarbeit fördert und schult vielfältige soziale Fähigkeiten, wie Teamfähigkeit, Verantwortung für das eigene Spielen zu übernehmen, zugleich aber sich in ein größeres Ganzes einzuordnen, "taktvoll" zu sein, sich emotional auszudrücken, sich aber dennoch dem Rahmen der in Komposition enthaltenen musikalischen Emotion unterzuordnen.   Musik zu machen ist ein sinnliches Erlebnis, es fördert das Selbstvertrauen, die Wahrnehmung, Konzentration und Gedächtnis.


27/04 2011

Oberstufenblasorchester (OBO)




Wir spielen Blasmusik!

Jeden Freitag von 9.45-10.45 Uhr übt das Oberstufenblasorchester im Alten Eurythmiesaal.

Mit mittlerweile ca. 40 Schülern aus den Jahrgängen 9-12 erarbeiten wir pro Halbjahr ein neues Konzertprogramm. Dieses spielen wir dann bei den Oberstufenkonzerten der Schule.

Zum Gelingen der Konzerte trägt vor allem die zweitägige, kurz davor stattfindende Orchesterfahrt bei. An diesen zwei Tagen fahren wir mit den anderen Orchestern zu einem Ort abseits jeglicher dicht besiedelter Zivilisation und proben stundenlang was das Zeug hält. Dort wächst dann nach kurzer Zeit zusammen was zusammen gehört, das Orchester findet sich und es kann Musik entstehen! Unheimlich spannend ist es an den beiden Tagen die verschiedenen Instrumentengruppen des Orchesters zusammen zu bringen, dass z. B. die Blechbläser, immerhin schon alleine 12 Trompeten, die Holzbläser nicht übertönen, nicht zu vergessen die Schlagzeuger...

Die Balance zu finden, die Musik zu entdecken und zusammen zu spielen macht bei den intensiven Proben letzten Endes meist jeden glücklich und man fährt mit einem guten Gefühl des Gelingens zurück.

Noch mal spannend ist dann die Generalprobe am Konzerttag. Das Orchester wird dann durch einige Aushilfen verstärkt, mittlerweile vorwiegend nur noch bei den tiefen Instrumenten wie Posaune Bariton und Tuba, die sehr wichtig sind für den Klang, sozusagen als Fundament des Orchesters. Wer diese Instrumente beherrscht und uns gerne unterstützen würde, kann sich gerne bei uns melden! 

Die Zusammenstellung der Stücke des Konzertprogramms versucht eine Mischung zu finden zwischen Originalkompositionen für Blasorchester, arrangierte Musical/Filmmusikkompositionen, Arrangements aus der Unterhaltungsmusik aber auch aus dem klassischen Orchesterrepertoire u.a auch Solowerke als Bearbeitung für Blasorchester.

 

Im Folgenden einige Auszüge aus unseren Konzertprogrammen:

Coldplay-Medley, Fluch der Karibik, James Bond Theme, Porgy&Bess-Medley, Phantom der Oper, Big Spender,  K. Gäbles Celtic flutes für 2Soloflöten, Trompetenkonzert von Vivaldi für 2Solotrompeten, Bald Wyntins El Sitio für Solotrompete, T. Kraas` a little opening,  J. Ph. Rameau,(Savages)

Wer uns gerne hören möchte ist herzlich Willkommen beim nächsten Oberstufenkonzert! (Termine stehen in der Vorschau, oder auf der Schulseite)

Monika Bühn  (Dirigentin OBO)


Oberstufen-Streichorchester


Das Oberstufen-Streichorchester unter Leitung von Adelheid Jorberg spielte auf dem Sommerkonzert 2011 :

Hektor Berlioz, Rákóczi-Marsch

Alexander Safford, Folk Tune Air and Fiddler`s Fury 


Oberstufen-Gitarrenorchester




Das Gitarrenorchester der Oberstufe ist eines der von den Schülern wählbaren Orchester. Die Fotos stammen vom Sommerkonzert 2011. Das Gitarrenorchester unter Leitung von Thomas Otto -von Wistinghausen spielte auf dem Sommerkonzert:

Manfred Fuchs, Kuvika und von

Tom Jobim, Girl from Ipanema

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Das Oberstufen-Leierorchester



Das Leierorchester gibt unseren Schülern die Möglichkeit das in der Unter und Mittelstufe erlernte Instrument auch in der Oberstufe zu spielen. Die Bilder stammen vom Sommerkonzert 2011. Unter Leitung von Martin Tobiassen spielte das Orchester:

Johann Sebastian Bach, Presto (BWV 996)

2011 wurde das Leierorchester zu einem Konzert nach Scorlewald /Nordholland eingeladen. Dort gibt es in einer sozialtherapeutischen Einrichtung ein Veranstaltungszentrum. In einer der umliegenden Werkstätten werden auch Choroi-Leiern gebaut. Das Repertoire (Klassik-Folk-Pop-Jazz-Filmmusik) ist in den letzten Jahren stetig gewachsen, so dass das Orchester gern zugesagt hat.


Oberstufenchor





An der Waldorfschule hat die Pflege des Gesangs eine lange Tradition und wird bereits in der Unterstufe angelegt. Der chorische Gesang ist für alle Schüler fester Bestandteil des Unterrichtes bis zum Abschluss der Schulzeit.

Die nicht im Orchester der Schule spielenden Schüler nehmen verpflichtend am Schulchor teil. Daneben gibt es immer wieder wechselnde chorische oder solistische Möglichkeiten das Singen an unserer Schule zu pflegen und zu üben.

Rudolf Steiner soll schon vor ca. 100 Jahren gesagt haben, wenn die Menschen singen würden, mehr singen würden und vor allem richtiger singen würden, gebe es weniger Verbrechen auf der Erde. So entwickelte Frau Werbeck-Svärdström in Zusammenarbeit mit Rudolf Steiner eine künstlerisch/therapeutische Gesangsschulung, die auch an unserer Schule gepflegt wird. Dabei ist es nicht so wichtig, was wir singen, sondern viel Wert soll auf das Wie gelegt werden. Eine wichtige Forderung des ersten Schularztes, Dr. Kolisko war es, die Kinder das Hinhorchen zu lehren und „den Trieb zu brüllen, zu schreien“ umzulenken. Dann „kann sich die Gnade des Himmels durch das Menschensingen offenbaren, eine Kraft, die reinigen, segnen und heilen kann“. (Werbeck-Svärdström, S. 60)

Nicht umsonst wird in der Öffentlichkeit den aufbauenden Kräften des Singens wieder verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet.

Individuelle oder chorische Stimmbildung hat neben der künstlerischen Komponente Auswirkungen auf die Atmung und damit einen gesundheitsförderlichen Aspekt. Sie fördert seelische Ausgeglichenheit und körperliches Wohlbefinden, wie auch die Kreativität und die Intelligenz. Damit dient sie in besonderem Maße der Persönlichkeitsentwicklung des Übenden. Außerdem schließt der Umgang mit Musik und insbesondere das gesangliche Üben eine Prophylaxe gegen Sucht und Gewalt ein, da es eine Menge Mut braucht, am Ende eines solchen Übungsweges ein Lied, ein Chorstück auf der Bühne  vorzutragen.

Dabei erlernen und üben die Schüler die Grundlagen der Stimmbildung wie Haltung, Atemtechnik, Resonanz- und Klangbildung, Vokalbildung, Lagenausgleich, Gehörbildung, Entwicklung von Rhythmik und Dynamik, etc.

Gesang im Unterricht, in Klassenspielen, Jahresarbeiten und in den verschiedenen Chören, sowie  Gesangsprojekte in verschiedenen Klassen (z.B. 1,3,4,6,8,und 11 mit Unterstützung des Therapievereins) sind an unserer Schule  möglich,

Der Große Chor der RSS-Bochum nahm zum Beispiel am Day of Song am 5.6.RUHR.2010 in Gelsenkirchen in der Veltins - Arena teil. Dies war eine Veranstaltung, wo der größte mehrstimmige Chor der deutschen Musikgeschichte mit mehr als 65.000Sängern und Sängerinnen - unterstützt namhaften Solisten – aufttraten, wo u.a. der große Wert des Singens gefeiert werden sollte, um aktiv einen Beitrag zur Verständigung der verschiedenen Kulturen zu leisten.    

Die Bilder stammen vom Sommerkonzert 2011. Dort trat der Chor unter Leitung von Christoph Damm und Anke Neumann mit folgenden Liedern auf:

Karl Jenkins

Hymn before Action

Chargel

Agnus dei aus The Armed Man - A Mass for Peace                                                            

 


Jedem Kind sein Instrument























Siehe dazu auch: http://www.waldorf-ideen-pool.de/index.php?katid=579

Alle Kinder einer Jahrgangsstufe haben die Möglichkeit, aus den angebotenen Instrumenten das Instrument ihrer Wahl zu spielen: Violine, Viola, Violoncello, Kontrabass, Querflöte, Gitarre, Trompete oder Posaune. Dabei werden sie zwei Mal in der Woche für 30 Minuten in Gruppen von 3-4 Schülern unterrichtet. Indem der Unterricht während der Schulzeit stattfindet, müssen die Eltern nicht noch zusätzliche Fahrten in der Woche leisten, um an eine Musikschule o.ä. zu gelangen. Es entfällt die Mühe, sich um die Anschaffung eines geeigneten Instruments kümmern (siehe Musikfördergemeinschaft) und die Eltern haben nicht das Problem, einen Lehrer finden zu müssen. Da der Unterricht während der Schulzeit stattfindet, kann zweimal in der Woche unterrichtet werden, was zu Beginn des Erlernens eines Instruments von großem Vorteil ist. Die Kinder motivieren sich in den Gruppen gegenseitig, so dass eine positive Unterrichtsatmosphäre entsteht. Leistungsdifferenzierung wird angestrebt, indem auch verschiedene Aufgaben gegeben werden. Schüler, die schon ein paar Lieder für „Feinschmecker“ dazugelernt haben, können diese während der Stunde einzeln vortragen, oder andere Kinder spielen mit einfacheren Stimmen/Aufgaben dazu. Auch bei einem Konzert kann in verschiedensten Besetzungen musiziert werden. Wir werden uns bemühen, auch diejenigen Kinder bei einem Konzert und den dazugehörigen Proben zu integrieren, die nicht am Projekt teilnehmen, weil sie schon früher ein Instrument zu spielen angefangen haben. Da in jedem Jahrgang meistens zwei Instrumentengruppen zustande kommen, die beim gleichen Lehrer Unterricht bekommen, ermöglicht dies, dass jeder Lehrer nach dem ersten Jahr des Musikprojekts die Gruppen umbesetzen kann, um individueller auf die Lerntempi der Kinder eingehen zu können.

Die Waldorfschule arbeitet aus ihrem Menschenverständnis heraus kind- und altersgemäß. Daher gibt es eine klare Verteilung der zu erlernenden Fähigkeiten in den verschiedenen Altersstufen, bzw. Klassen Die Instrumentallehrer versuchen einen Instrumentalunterricht zu entwickeln, der möglichst Hand in Hand mit dem Schulunterricht der Waldorfschule einhergeht. Dabei ist die inhaltliche, wie auch die methodische Zusammenarbeit mit den Klassenlehrern und den Musiklehrern besonders wichtig und auch hilfreich: Lieder, die im Unterricht gesungen werden, können auf dem Instrument gelernt, oder umgekehrt Lieder und Sprüche, die für den Instrumentalunterricht wichtig sind, wenn sie dazu geeignet sind, im Schulunterricht aufgenommen werden. Auf diese Weise ist ein Lernen über die Sinne und die Erfahrung möglich

Der erste Schritt: Das Instrumentenkarussell

Alle Kinder der 1. Klassen bekommen jeweils nach Ostern die Möglichkeit, alle angebotenen Instrumente kennen zu lernen. Dabei wird ihnen vorgespielt und sie dürfen selber versuchen. Das Instrumentenkarussell kann als erweiterter Musikunterricht – Instrumentenkunde – aufgefasst werden. Diejenigen Kinder, die ein Instrument erlernen wollen, dürfen sich eines aussuchen, diejenigen Kinder die später nicht am Musikprojekt teilnehmen, lernen etwas über die Vielfalt der Instrumente kennen und diejenigen, die schon ein Instrument spielen, können einmal probieren, wie sich ein anderes Instrument anfühlt und wie es klingt. Das Instrumentenkarussell ist für die Eltern kostenlos!

Wenn die Kinder, die am Musikprojekt teilnehmen werden, sich für „ihr“ Instrument entschieden haben – dies wird von den Eltern und Lehrern begleitet - werden die Instrumentengruppen eingeteilt. Kurz nach den Sommerferien beginnt der Unterricht.

Gruppenunterricht

Je nachdem, wie die Kinder gewählt haben, gestalten sich die Gruppen mit 3-4 Kindern. Größere Gruppen haben sich in diesem Alter für uns nicht bewährt. Der Gruppenunterricht bietet die Möglichkeit, in den verschiedensten Fähigkeiten zu spielen und zu musizieren: Ein Schüler kann auch einmal der Lehrer sein, Vor- und Nachspiel kann geübt und in verschiedenen Rollen erfunden werden usw. Dies fördert ein waches Mithören beim Spielen, Tonvorstellungen werden gebildet und Klänge und Spieltechniken können erforscht, Führen und Folgen usw. geübt werden. Erste improvisatorische Übungen zu musikalischen Klangphänomenen, Bogen- und Fingertechnik (entsprechend bei den Bläsern) können mit Hilfe von Bewegungsspielen und Geschichten in der Gruppe besser realisiert werden, als im Einzelunterricht. Durch gemeinsame Liedauswahl ist es möglich, auch gemeinsam in anderen Gruppenbesetzungen zu musizieren oder im Krankheitsfall zu vertreten.

Zu den Instrumentallehrern

Nicht jeder der Instrumentallehrer hat Erfahrung im waldorfpädagogischen Schulunterricht. Umso wertvoller ist daher der regelmäßige Austausch der Instrumentallehrer mit den Klassen- und Musiklehrern über Material, Übungen und pädagogische Vorgehensweise im Unterricht. Auch hospitieren wir gegenseitig, denn jeder Lehrer bringt doch eigene Methoden, Erfahrungen und Ideen mit. Die Lehrer empfinden dies als sehr fruchtbar, da man es als Instrumentalpädagoge doch eher gewohnt ist, seinen Unterricht „im stillen Kämmerlein“ zu absolvieren.

Die Instrumentallehrer treffen sich regelmäßig, um sich in allen Fragen auszutauschen und die Organisation zu besprechen.

Elternarbeit

Die Einführung des Instrumentalunterrichts kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Eltern sich für den Instrumentalunterricht engagieren und die Idee des Musikprojekts mittragen. Voraussetzung dafür ist eine umfassende Information der Eltern über die positiven Auswirkungen des Instrumentalunterrichts, aber auch über die praktische Umsetzung (Auswahl der Instrumente, Verleihsystem etc.). Die Eltern werden durch eine regelmäßig erscheinende Projektinformation über alle anstehenden Fragen, Themen und Termine auf dem Laufenden gehalten. Drei gemeinsame Konzerte in den zwei Jahren für und mit den Schülern der 2. und 3. Klassen runden das Projekt ab.

Beschaffung der Instrumente

Es ist der Wunsch der Projektleitung, den Eltern für den Beginn des Instrumentalunterrichts die günstige Ausleihe eines Instruments der Musikfördergemeinschaft der Schule anbieten zu können, dabei legen wir großen Wert auf gute Instrumentenqualität Wenn das Kind erst richtig Gefallen an seinem Instrument gefunden hat, können die Eltern mit Unterstützung der Instrumentallehrer selber initiativ werden. Dazu sind zwei Jahre Zeit, die das Musikprojekt dauert. Auf Grundlage der Musikfördergemeinschaft e.V. der Rudolf-Steiner-Schule Bochum wurden zu Beginn des Projekts über 150 hochwertige Instrumente durch Stiftungsgelder angeschafft. Nach zehn Jahren müssen wir inzwischen vor allem bei den Bläsern neue Instrumente kaufen, aber auch die Streichinstrumente haben sich dezimiert, da immer mal eines zu Bruch gegangen ist und die Versicherung nur einen Teilbetrag des Neuwertes erstattet.

Kosten des Musikprojekts

Der Unterricht wird durch Elternbeiträge finanziert: 50.- Euro pro Monat für zweimal Unterricht pro Woche, 50.- Anmeldegebühr, (23 Monate Beitrag über die Zeit des laufenden Musikprojekts), 7.- Euro Kopierkosten, einmalig. Die Instrumente werden gegen eine Leihgebühr von 5.- Euro und 75.- Euro Kaution ausgeliehen. Die geliehenen Instrumente sind versichert.

Räume des Projektes

Die Rudolf-Steiner-Schule stellt die Räume zur Verfügung. Diese werden zu Beginn des Musikprojekts bekannt gegeben.

Wie geht es in der 4. Klasse weiter? Am Ende der 3. Klasse raten wir den Eltern für ihre Kinder Privatunterricht zu organisieren wenn sie weiterspielen wollen. Die Instrumentallehrer des Musikprojekts helfen nach Möglichkeit bei der Vermittlung. In der 4. Klasse musizieren wir mit den Kindern voraussichtlich weiterhin während der Schulzeit in verschiedenen Ensembles, um die Motivation durch das Zusammenspiel zu fördern. Die Erfahrung hat gezeigt, dass das zweimalige Musizieren in der Woche (Privatunterricht/Orchester) zu nachhaltigen und schnelleren musikalischen Fortschritten bei den Schülern führt.

 

Grundlagen des Musikprojektes

 

Allgemeine Ziele des Projekts

„Im Musikunterricht lernen wir nicht nur die Musik. Das Singen fördert die Konzentration, die Aufmerksamkeit, verbessert die psychosomatische Disposition, erzieht zur Arbeit, macht Kräfte im Menschen lebendig, gibt Mut, befreit ihn von Hemmungen, erzieht zur Gemeinschaft, bewegt den ganzen Menschen nicht nur partiell und macht die Schule anziehender. Der Musikunterricht fördert die in jedem Menschen vorhandene Musikalität, damit legt er die Grundlage der musikalischen Bildung, wodurch seine Lebensqualität erhöht wird.“ (Zoltán Kodály 1956)

„Leider müssen wir immer so viel Zeit verlieren, um das zu prüfen, was selbstverständlich wäre. Obschon die Beweise immer häufiger werden (...), gibt es noch immer nicht in allen Schulen aller Länder einen guten Musikunterricht. Bestimmt kann man behaupten, dass ohne Musik keine gründliche soziale Harmonie und keine positive Beziehung zur Natur zu schaffen ist.“ (Yehudi Menuhin 1993)

Musik als Lern- und Entwicklungshilfe

Die intensive Beschäftigung mit Musik fördert das Kind auf umfassende Weise. Es werden Fähigkeiten erworben, die auch für andere Fächer in der Schule von Vorteil sind: Konzentration, Ausdauer, Lern- bzw. Übbereitschaft, soziale Aufmerksamkeit, Ausgeglichenheit, innere Beweglichkeit u.a.

Wir können uns heute auf anerkannte Studien stützen,[1] die zu dem übereinstimmenden Ergebnis kommen, dass die Musik durch ihre vielfältige Wirkensweise positiv auf die Entwicklung unserer Kinder wirkt. Der Frankfurter Musikpädagoge Prof. Dr. Hans Günther Bastian hat anhand einer an Berliner Grundschulen durchgeführte „wissenschaftlich fundierte“ Langzeitstudie (1992-1998) erstmals für eine Anerkennung dieser Tatsachen gesorgt. In seiner 2000 erschienenen 700 Seiten starken Schrift „Musik (erziehung) und ihre Wirkung“ (Schott), legt er die Ergebnisse von mehr als 100 Testeinsätzen und der Auswertung von über einer Millionen Daten dar. Es wird auf frappante Weise deutlich, wie stark erweiterte Musikerziehung in positiver Weise die Persönlichkeitsentwicklung von Grundschulkindern beeinflusst:

 

- signifikante Verbesserung der sozialen Kompetenz,

- Steigerung der Lern- und Leistungsmotivation,

- ein bedeutsamer IQ-Zugewinn,

- Kompensation von Konzentrationsschwächen,

- Förderung von musikalischer Leistung und Kreativität,

- Verbesserung der emotionalen Befindlichkeit,

- Reduzierung von Angsterleben,

- überdurchschnittlich gute Leistungen trotz zeitlicher Mehrbelastung u.a.m.

 

Musik fördert soziale Kompetenz Bastian geht von dem erweiterten Intelligenzbegriff des amerikanischen Psychologen Howard Gardner aus, der u.a. ein Schwergewicht auf die Bedeutung der emotionalen Intelligenz legt. Blickt man auf die stetig steigenden Gewaltdelikte unter immer jüngeren Kindern, die immer häufiger fehlende familiäre Stütze, soziale Verarmung in vielen Familien, den stetig wachsenden Konsum an rezipierenden Sinneseindrücken, den Überschuss an materiellen Dingen oder die Vereinsamung am Computer, um nur einiges zu nennen, so wird deutlich, dass dringend erfolgreiche Hilfen für die Persönlichkeitsbildung von Kindern und Jugendlichen von Nöten sind.

Leider wird heute noch häufig Begabung mit akademischer Intelligenz und Intelligenz mit guten Schulnoten gleichgesetzt. Wie viele „Intelligenzen“ bleiben dabei unbeachtet und nicht anerkannt! Der IQ ist eine sehr „unspezifische Begabung“, bei der nur die kognitive Leistung zählt und dieser entscheidet oft allein über das Schicksal vieler Kinder.

Kindern fällt es immer häufiger schwer, sich in sozialen Konstellationen zurechtzufinden. Dabei spricht man immer häufiger von mangelnder sozialer Fähigkeit. Der IQ-Wert ist bei vielen Kindern überdurchschnittlich hoch und doch fällt auf, dass er allein nichts darüber aussagt, wie gut sich die Kinder in der Welt einsetzen und zurechtfinden können. Soziale Kompetenz schließt, so Bastian, moralische und kommunikative Fähigkeiten ein.

Bastians Studie weist unmissverständlich auf, dass Kinder, die verstärkt Musikunterricht erhalten, im Gegensatz zu den Vergleichsgruppen ein deutlich besseres Sozialverhalten aufweisen (bis zu 50%), was die soziale Einbindung der Schüler untereinander, Sympathie- oder Antipathiewerte anderen gegenüber, die Bereitschaft auffälliger Kinder sich in die Klassengemeinschaft einzugliedern usw. betrifft.

Bastian berichtet von A. Maillard-Städter (Musiklehrerin an der musikbetonten Grundschule Berlin), die Beispiele aus der Praxis nennt:

 

„Eine Schülerin in der 6. Klasse stellte einmal die Frage: „Wie kommt es eigentlich, dass man nach dem Musizieren so friedlich ist?“ – Ein Junge, der als sozial schwierig angesehen wurde und vor dem sowohl Lehrer als auch Mitschüler „Respekt“ hatten, entwickelte sich zu einem echten Musiktalent. Er spielte Saxophon und Schlagzeug, was von allen positiv erlebt wurde. Bei öffentlichen Auftritten holte er sich Anerkennung. Seine Begabung bewahrte ihn davor, von den Lehrern und Mitschülern „abgestempelt“ zu werden. – Ein ausländischer Junge kam als Seiteneinsteiger in der 5. Klasse an die Schule. Er zählte Aufgrund seiner kräftigen Erscheinung zu den Furcht einflößenden Kindern. Nach Einschätzung der Lehrer hatte er alle Voraussetzungen, aggressiv zu werden. Noch bevor er sich in der deutschen Sprache verständigen konnte, spielte er im Orchester Altflöte. Auf diese Weise fühlte er sich von den Mitschülern angenommen und in gewisser Weise verstanden.“[2]

„Musizieren wirkt gemeinschaftsfördernd, beugt durch besseres Kennenlernen Vorurteilen und Ausländerfeindlichkeit vor, erhöht die Identifikation mit der Schule, verhindert Gruppen- und Bandenbildung ohne sinnvolle Inhalte, baut Aggressionen und Schulvandalismus ab und fördert die Gruppenidentität, reduziert Schulunlust und Schwänzen.“

Kinder der Zukunft

Was braucht und erwartet die Gesellschaft von ihrem Nachwuchs? Man spricht allerorten von Schlüsselqualifikationen, die von Berufseinsteigern erwartet werden.

„Die in der berufspädagogischen Literatur am häufigsten genannten Bedeutungen von Schlüsselqualifikationen sind: Kommunikationsfähigkeit, Kooperationsfähigkeit, Flexibilität, Kreativität, Denken in Zusammenhängen, Selbständigkeit, Problemlösefähigkeit, Transferfähigkeit, Lernbereitschaft und Durchsetzungsvermögen, um nur die wichtigsten zu nennen."[3]

 

Politik, Wirtschaft und Industrie fordern:

- Extraversion als Kontaktfähigkeit,

- Verträglichkeit als Teamfähigkeit,

- Gewissenhaftigkeit als Verantwortungsbereitschaft,

- emotionale Stabilität als seelische Belastbarkeit in Stresssituationen.

 

Musik bietet eine immense Chance, eben jene Persönlichkeitsmerkmale zu fördern:

 Im ausdrucksstarken Spiel wird Extraversion gefordert und gefördert,

Teamfähigkeit im Ensemblemusizieren,

Gewissenhaftigkeit gegenüber dem musikalischen Werk und der Musiksozietät,

emotionale Stabilität in der Situation der Darbietung,

Intelligenz in der kongenialen Interpretation eines musikalischen Werkes.

„Es gibt nicht nur Ressourcen in Form von Bodenschätzen. Phantasie ist wichtiger als Wissen, hat Einstein gesagt. Kreativität ist für die Zukunft ein wichtigeres Potential als Armeen oder Industrieanlagen. Das ist der Grund, weshalb in den Schulen der Musikunterricht gleichwertig mit Mathematik und Chemie sein müsste. Ich halte „Jugend musiziert“ für genauso wichtig wie „Jugend forscht“. (Heiner Geißler 1997)

Musikalität im Blickwinkel der Hirnforschung

Aus der Hirnforschung ist bekannt, dass die Melodieverarbeitung in der rechten und die Rhythmusverarbeitung mehr in der linken Gehirnhälfte geschieht. Daher sind beim Musizieren beide Gehirnhälften aktiviert, was zu einer optimaleren Ausbalancierung beider Hemisphären führen muss. Die meisten Menschen aktivieren für bestimmte Tätigkeiten eine der beiden Gehirnhälften stärker, als die andere. Messungen bei Berufsmusikern haben ergeben, dass diese eine deutlich ausgebildetere Verbindung zwischen beiden Hemisphären haben.[4]

Interessant ist eine Äußerung der Hirnforscher Altemüller und Gruhn („Der Musikverstand“, 1995), die meinen, dass „der Erwerb musikalischer Vorstellungen (...) an körperlich durch Bewegen, Singen und Spielen erworbenen Mustern ansetzten (muss), bevor begriffliche Benennung, symbolische Übertragung (Notation) und theoretische Erklärung sinnvoll hinzutreten können. Musik kann nur musikalisch und nicht über Begriffe und Regeln gelernt werden.“[5]

E. Gordon weist darauf hin, dass das Gehirn des Kindes sich bis zum 9. Lebensjahr zu seiner vollen Reife entwickelt. Auch er betont, dass es von höchster Bedeutung sei, dass in dieser Zeit, also bis zum 9. Lebensjahr, dem explizierten, begrifflichen Lernen, immer ein erfahrungsbezogenes Lernen vorgeschaltet sein muss, bei dem mentale Repräsentationen erworben werden können.

Dies ist für die Praxis der Musikerziehung eine Erkenntnis von höchster Relevanz: Durch das eigene Tun lernen!

Man sollte sicherlich nicht den Erfolg durch die Musik als ein zu verabreichendes Medikament missbrauchen, gehört sie doch eigentlich, wie schon durch Sokrates bekannt wurde, zum ausgewogenen Leben dazu. In einer ganzheitlichen Erziehung darf sie aber nicht fehlen, vermittelt sie doch eine sonst nicht zu erzeugende Stimmung als Lust und Genuss beim Spielen oder Hören. Befragt man Jugendliche nach dem Stellenwert von Musik in ihrem alltäglichen Leben, so bestätigen empirische Studien, dass für 90-95% aller Jugendlichen Musikhören das wichtigste Freizeitvergnügen ist.[6] Am 13. November 2000 war in der FAZ zu lesen:

„...Mit dem Geist-, Kreativitäts-, Sozial- und Gefühlskapital unserer Künste können wir die Schulen zu „Kreissälen der Zukunft“ ausbauen. Freilich sollte, bei allen Transfereffekten, eines nicht übersehen werden: Die Begabung zur Freude am Schönen, am Spielerischen und Kreativen bleibt primäres Ziel der Musik an den allgemeinbildenden Schulen. Mit der Folge: Jedes Kind kann durch Musik zu seinem eigenen Walkmann werden..“ (H.G. Bastian)

Für heutige Kinder ist es sinnvoll, ein Instrument früh zu erlernen. Manche Schüler brauchen eine zusätzliche Herausforderung und für andere ist die besondere Aufmerksamkeits- und Auffassungsschulung, wie sie in der Musik möglich ist, hilfreich. Außerdem ist es im Übergang zur Pubertät leichter, die Motivation für ein tägliches Üben aufrecht zu erhalten, wenn die Schüler durch ihr dann schon fundierteres Können auf dem Instrument interessantere Stücke spielen können. Häufig wird in der Pubertät ein Instrument aufgegeben, wenn das Können noch nicht genügt, um für sich alleine oder in der Gruppe ein befriedigendes musikalisches Erlebnis zu schaffen. Nicht selten fehlt es auch an der Möglichkeit des gemeinsamen Spiels: Orchester, Big Band, o.ä. Ist das Instrumentalspiel jedoch ein fester Bestandteil des Schulunterrichts, so kann durch entsprechende Arbeit (Projekte, Kurse) für den einen oder anderen Schüler eine wichtige Stütze entstehen.

 


[1] Seit den siebziger Jahren wird verstärkt auf den positiven Einfluß der Musik auf die persönliche, als auch auf die schulische Entwicklung der Kinder hingewiesen. Dies wurde auf dem europäischen Kongress für Musikpädagogik in Luzern 1997 durch zahlreiche Berichte von Fachleuten bestätigt. Siehe das darüber erschienene Buch: „Persönlichkeitsentfaltung durch Musikerziehung“ (Hrsg. Josef Scheidegger und Hubert Eiholzer in Musikedition Nepumuk)

[2] Bastian: Kinder optimal fördern – mit Musik, S. 61

[3] ebenda S. 18

[4] In: „Persönlichkeitsentfaltung durch Musikerziehung.“ S. 81ff (Hrsg. Josef Scheidegger und Hubert Eiholzer)

[5] Hans Günther Bastian: „Kinder optimal fördern – mit Musik.“ S. 38

[6] ebenda S. 32

 


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