14/11 2014

Unterrichtsgestaltung in Unter- und Mittelstufe




Angeregt von Rudolf Steiner haben Lehrinhalte und Methoden der Waldorfpädagogik die Aufgabe, alterstypische ebenso wie die individuelle Entwicklung zu unterstützen. Dieses wird insbesondere in den ersten Klassenstufen durch die Gestaltung eines bildhaften Unterrichtserlebens versucht. Durch Erzählungen und Erfahrungen in reichhaltigen Lebens-und Erlebensfeldern erfährt das Kind intensiv eine soziale Wirklichkeit und wird zur aktiven Mitgestaltung angeregt. Die Unterrichtsinhalte sollen das Seelenleben des Kindes bereichern und in Bewegung bringen - das Erlebnis “Die Welt ist schön“ kann somit entstehen. Eng an dieses Erleben gekoppelt, ist die Persönlichkeit des Klassenlehrers. Diese intensive Schüler-Lehrer Beziehung, die im Idealfall acht Jahre beträgt, ist ein wesentliches Qualitätsmerkmal unserer Schule. Gerade in dieser Altersstufe können dadurch Zusammenhänge und Verbindungen zwischen den Fächern zu einer einzigartigen Vertiefung gelangen. Auch die ansprechende Ausgestaltung der unmittelbaren Umgebung des Kindes, der Klassenraum, wird durch die Lehrerpersönlichkeit  entscheidend beeinflusst. Jahreszeitlicher Schmuck, thematisch passende, künstlerisch gestaltete Tafelbilder, einladend gedeckte Tische zum gemeinsamen Frühstück (in den unteren Klassen) tragen ebenso zur hohen Qualität bei, wie die Verwendung von hochwertigen Arbeitsmaterialen. So kann beispielsweise  bestmögliches Gedeihen und Entfaltung unterstützt werden. Kompetenzentwicklung und  Fähigkeitenentwicklung von Anfang an!

Die Einführung und Gestaltung der Unterrichtsinhalte orientieren sich an den altersgemäßen Entwicklungsschritten des Kindes. Dadurch fördert der Unterricht bei ALLEN Kindern - unabhängig vom vorliegenden Leistungsniveau - die Lernfreude, die Lernbegeisterung und  die Kreativität. Gerade auch sog. „Quereinsteiger“ profitieren von dieser Vorgehensweise. Der Unterricht ist also ganzheitlich ausgerichtet, der Mensch als Ganzes steht im Mittelpunkt und nicht nur seine kognitive Leistungsfähigkeit. Vielfalt, Heterogenität, Klassengemeinschaften ohne Auslese - alles Grundgedanken der Inklusion – sind uns von jeher ein Selbstverständnis. Unsere individuellen Förderkonzepte, die i.d.R. auf Einzelförderung angelegt sind, berücksichtigen daher die schwächeren Schüler ebenso wie die begabteren Schüler. Darüber hinaus kann unser Therapieverein  Kinder und deren Elternhäuser bei Bedarf zusätzlich unterstützen.

Das Unterstufenkonzept “Schule 2000“, das „Bochumer Modell“ hat seit nunmehr als zehn Jahren Einzug in die unteren Klassenstufen gehalten. Mittlerweile profitieren weltweit Schulen von diesem, seinerzeit von Herrn Wolfgang Auer inaugurierten Modell, zur Befähigung und Pflege der Sinnesentwicklung, Bewegungsfähigkeit, Bindungsvermögen und Rhythmusfähigkeit sowie nicht zuletzt der Selbstständigkeit und Organisationsfähigkeit. Haben wir in diesen Bereichen für die Kinder ein stabiles Fundament gelegt, kann sich dies nicht nur positiv auf das Erlernen der Kulturtechniken, sondern auf die gesamte spätere Lebensqualität auswirken.

Schon seit ihrer Gründung  bestand an unserer Schule der besondere Impuls zur Musik und der musikalischen Pflege. So ist es absolut einmalig, dass unsere Schülerinnen und Schüler bereits ab der ersten Klasse zwei Instrumente erlernen - einmal ist es das Spiel auf der pentatonischen Flöte und zum anderen das Spiel auf der siebensaitigen Kinderharfe. Ab dem dritten Schuljahr wird das Klassenmusizieren mit Blockflöten und Leiern fortgeführt. Das Spiel auf den 27- oder 35 saitigen diatonischen Leiern vom 3. bis 6. Schuljahr als eigenes Unterrichtsfach, stellt eine Besonderheit  in Bezug auf den Fächerkanon der Waldorfschulen dar. Gerade das Leierspielen fasziniert die Kinder immer wieder durch seinen zarten, unaufdringlichen Klang. Das lebendige, musikalische Strömen, das aufmerksame, achtsame Hinhören öffnet Ohr und Herz letztlich zum Verstehen. Nicht zuletzt werden musiktheoretische Inhalte wie Tonleitern, Intervalle, Dreiklänge oder Kadenzen anschaulich und praktisch umsetzbar.

Das Musikprojekt „Jedem Kind sein Instrument“, welches vor über zehn Jahren seine Wiege an unserer Schule hatte, ermöglicht es den Kindern ein weiteres Instrument zu erlernen. In kleinen Gruppen werden die Kinder mit dem Instrument und der orchestralen Arbeit vertraut gemacht. Daraus entstanden  ist eine Orchesterlandschaft mit diversen Musiziergruppen und Klassenorchestern, die sicherlich ebenso einmalig ist: Neben den zwei großen Orchestern der Mittel-und Oberstufe, haben  wir zurzeit  achtzehn klassenübergreifende Gruppen! Dazu kommen noch unsere Chöre und hin und wieder Musicalprojekte. Mittlerweile bestätigen wissenschaftliche Studien, dass das aktive Musizieren vielfältige geistige, intellektuelle, soziale und emotionale Fähigkeiten ausbildet. Die günstige Auswirkung der Schulung der Feinmotorik auf die Lern-und Gehirnleistungen ist ja schon seit langem bekannt.

In diesem Zusammenhang ist es lohnend unsere „Musikfördergemeinschaft“ zu erwähnen. Vor über dreißig Jahren als Elterninitiative gegründet, verfolgt sie noch heute das Ziel, Kindern durch den Verleih von Instrumenten die Möglichkeit zu geben, am Instrumentalunterricht teilzunehmen.

Einen weiteren Unterrichtsschwerpunkt in den unteren Klassen stellt das Formenzeichnen dar. Oft wird sein Wert nur auf die Grundlage für das Schreiben lernen und für das Geometrieverständnis verkürzt, kann dieser hochgradig, künstlerische Prozess doch viel mehr - vor allem hinsichtlich der Persönlichkeitsbildung und der gesunden  Sinnesentwicklung-und Schulung. Durch die Stärkung der Üb- und Konzentrationsfähigkeit legt es damit Grundlagen für ein lebenslanges Lernen.

Ein weiterer wesentlicher Faktor unserer Schule ist der Eurythmie-Unterricht von Anfang an. Sein künstlerischer Aspekt, die Eurythmie als darstellende Kunst, lebt hier in besonderer Weise. Die Eurythmie ist eine den Willen stärkende, ihn ergreifende Kunst. Gerade in der heutigen Zeit kommt es darauf an, den Willen zu üben und zu schulen, so dass er dem Menschen für das, was er sich zu tun vorgenommen hat, auch wirklich zur Verfügung steht. Die soziale Wahrnehmung, die Selbstsicherheit in diesem Kontext, das sich einordnen können und das auf den Punkt präsent sein können in einem Gesamtzusammenhang – all diese Kompetenzen werden durch die Eurythmie äußerst günstig beeinflusst.

Nachfolgend finden Sie eine Auflistung aller möglichen Unterrichtsinhalte dieser Altersstufe, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Nach und nach werden wir die ausführliche Ausgestaltung  und stetige Weiterentwicklung dieser Positionen fortsetzen:

Schreiben, Lesen, Grammatik (Deutsch), Beschäftigung mit einer großen Vielfalt an Literatur

Englisch, Französisch, Russisch

Rechnen, Mathematik, Geometrie,

Heimatkunde, Geografie,

Naturkunde, Biologie, Geologie, Astronomie,

Handarbeit, Werken

Handwerkerepoche, Feldbau, Hausbau, Gartenbau

Physik, Chemie,

Religion

Kunst, Malen, Zeichnen, Plastizieren

Sport, Spielturnen, Schwimmen

Halbjahresarbeit

Theaterprojekte, Achtklassspiel

Zirkussprojekte

Klassenfahrten, Praktika