Konzeption der Lernbegleitung


Wir haben uns in der Waldorfschule bei der Leistungsbewertung aus gutem Grund für die Form des Textzeugnisses entschieden, um die pädagogisch negative Auswirkung der Zensurenzeugnisse zu vermeiden. Die Schüler brauchen aber noch zusätzlich eine  individuelle Hilfe für das Lernen. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie die Leistungsbewertung auch zur Lerndiagnose und Lernhilfe werden kann. Eine wichtige Funktion der Leistungsbewertung ist die Hilfe zur Selbststeuerung der Schüler zum selbständigen Lernen. Die Schüler sollen mit dem Arbeitsprozess nicht alleine gelassen werden. Das Erfassen der Prozessleistung ist das Hauptanliegen der Lernbegleitung. Kontrolle und Bewertung müssen nicht nachträglich, sondern vor und während des Lernprozesses integriert werden. So werden die Schüler verantwortliche Mitgestalter des Unterrichts. Der Lehrer ist nicht mehr nur Wissensvermittler, Prüfer und Beurteiler, sondern auch Lernbegleiter.

Zu diesem Zweck erhalten unsere Oberstufenschüler eine Dokumentation in Form einer Sammelmappe, die neben dem Epochen- und Stundenplan auch die Anforderungsprofile der verschiedenen Unterrichtsfächer enthält. Die Schüler sammeln in dieser Mappe u.a. Rückmeldebo­gen aus den Epochen und Fachunterrichten und können damit selbst ihren Lernprozess wahrnehmen, begleiten und einschätzen. Der Rückmeldebogen ist eine  besondere Form des Lehrerkommentars und der Selbsteinschätzung des Schülers. Er gewährleistet eine klare Zuordnung der Bewertungsgrundlagen und gibt eine inhaltlich differenzierte Bewertung, wie der Lehrer und der Schüler selbst eine Arbeit wertschätzen oder kritisieren.

Wesentliche Hilfen und Voraussetzung für das selbständige Lernen sind der Schulkalender, der die Schüler am Anfang des Schuljahres zur Unterrichtsplanung erhalten, die Mappe, in die Rückmeldungen der Lehrer und die SchülerInnenrückblicke eingeheftet werden, sowie der Methodenplaner.

dazu auch: http://www.erziehungskunst.de/fileadmin/archiv_alt/2007/0107p003deVries.pdf


Das Lernbegleitungsgespräch


Im Mittelpunkt der Konzeption der Lernbegleitung steht das Lernbegleitungsgespräch. Schüler und Lehrer übernehmen bewusst in enger Kooperation gemeinsam Verantwortung für das Lernen und auch für die Leistungsbewertung. Die Arbeit an der Qualität wird zu einer gemeinsamen Aufgabe! Es bezieht die Situation, die Bedingungen, die Voraussetzungen und die Lernbiographie der Schüler mit ein. Insbesondere wird nach Lernbehinderungen und förderlichen Momenten in der Situation gesucht. Die Fähigkeiten und die Stärken finden mehr Aufmerksamkeit als die Schwächen. Gesprächsteilnehmer sind in der Regel der Schüler, der Klassenbetreuer und ein Kol­lege aus dem Klassenkollegium.

Grundlagen für das Lernbegleitungsge­spräch können die Schülerselbstevaluation, die Zeugnisse und die Rück­meldebogen aus dem Unterricht sein. Das Gespräch wird protokolliert und in der Lernbegleitermappe abgelegt . Es kann ein zweites Lernbegleitungsgespräch stattfinden, we­nigstens für Sorgenkinder und auf Wunsch der Schüler selbst. Weitere Lernbegleitungsgespräche können bei Bedarf am Elternsprechtag sein.


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