Die Waldorfschule für Lern- und Erziehungshilfe


Die Waldorfschule für Lern- und Erziehungshilfe ist als staatlich anerkannte Sonderschule der Rudolf Steiner Schule Bochum angegliedert. Kinder mit Entwicklungsstörungen des Lernvermögens und Kinder mit Schwierigkeiten im Sozialverhalten lernen bei uns mit Kopf, Herz und Hand.

Kleine Gruppen ermöglichen viel individuelle Zuwendung und Hilfe durch die Lehrer und Therapeuten. Die Förderung der sensorischen und motorischen Grundlagen und Fähigkeiten sowie die altersgemäße Ansprache der Gemütskräfte bilden dabei die Voraussetzung für eine optimale intelektuelle Entwicklung der Kinder.

Der Aufbau des Unterrichtes folgt dem Lehrplan, den Rudolf Steiner für die erste Waldorfschule entwickelt hat. Inhalte und Lernstoff werden dem Aufnahmevermögen der SchülerInnen entsprechend ausgewählt und exemplarisch vertieft. Mathematik, Deutsch, Geschichte, Geographie und naturkundliche Fächer werden in Klasse 1-8 vom Klassenlehrer als täglicher Hauptunterricht gegeben.

Dazu kommen in den jeweiligen Altersstufen Eurythmie, Turnen, Musik, Leier, Chor, Englisch, Russisch, Handarbeit, Werken, Gartenbau, Kochen, Schreinern, Übstunden und Religion.

Das Unterrichts- und Bildungsziel der 12-jährigen Schulzeit ist die Arbeitsreife, die Fähigkeit zum Eintritt in das Berufsleben. Praktika zur Berufsorientierung ab Klasse 10 ermöglichen dabei den Einstieg in die Berufswelt. Entsprechende Leistungen vorausgesetzt, erfolgt der Sekundar-I- Abschluss (Hauptschulabschluss) zum Ende der Klasse 11, die Fachoberschulreife zum Ende der Kasse 12.

Zum 30 Geburtstag der Förderschule 2007 ist eine Broschüre erschienen, die Sie hier einsehen können.


Die erweiterte Anfangsklasse


Seit Beginn des Schuljahres 2 007/08 gibt es im Kleinklassenbereich der Rudolf Steiner Schule in Bochum die „Erweiterte Anfangsklasse“. Sie gilt als ein neues Projekt unserer Schule, das sich auf zwei wesentliche Grundbedürfnisse unserer Zeit einstellt. Das ist einerseits die sich wandelnde Kindheitsperspektive, die uns mit veränderten Ansprüchen entgegentritt und uns als Erziehende, Lehrer und Eltern zu wachem und kindgemäßem Handeln aufruft, andererseits der viel lauter tönende gesellschaftspolitische Ruf nach Früheinschulung.

So hat sich das Kleinklassen – Kollegium in den vergangenen Jahren die Frage gestellt, wie die Förderschule auf die sich ändernden Bedingungen antworten kann und wie die pädagogische Arbeit gesundend in die gegebenen Verhältnisse hinein wirken kann.

Die Entwicklung einer erweiterten Anfangsklasse nahm im zurückliegenden Schuljahr ihren Anfang und die praktische Durchführung eines veränderten Konzeptes geschieht nun.

Das, was andernorts als Schuleingangsphase bekannt geworden ist, hat nun an der Rudolf Steiner Schule ein ganz eigenes Profil bekommen, das sich auf innige Weise der Menschenkunde Rudolf Steiners verbunden weiß und doch so sehr abweicht von dem tradierten Bild des Klassenlehrers an der Waldorfschule. Die Vereinbarkeit von Altem und Neuem könnte nicht anders als durch unsere Schülergeneration geschehen, die maßgebend den Schulalltag mitgestaltet. Schüler kommen sehr jung in die Schulen, zukünftig immer jünger werdend, und nicht nur sie selbst, auch Eltern erwarten, dass mit dem Eintritt in die Schule auch Schule beginnt. Die Einschulung selbst ist biografisch ein wichtiger Impuls in der kindlichen Entwicklung, gleichzeitig gekennzeichnet von deutlichen  Unsicherheiten, die durch die erwachsene Gesellschaft an das Kind und die Schule herangetragen werden.

Die entscheidenden Grundlagen für das Gelingen von Schule und Schulzeit, insbesondere im Leben der Schüler mit besonderem Förderbedarf, erwachsen mehr aus den Impulsen der frühen Kindheit als durch die äußeren Faktoren gesellschaftspolitischer Rechtfertigungen für eine Früheinschulung. Vor diesem Hintergrund sollten wir mutvoll und bejahend den Schülern entgegensehen, die zwar  dasjenige, was sie für ihre Entwicklung brauchen, nicht laut postulieren können, aber auch nicht verbergen, was sie von uns erwarten. Eine dieser Hauptforderungen aus der frühen Kindheit heißt Zeit.

Der Umgang mit gestalteter Zeit wird zu einem wesentlichen Aspekt der neuen erweiterten Anfangsklasse. In weitem Umfang wird beispielsweise die Sinnespflege gefördert. Damit Sinnespflege gesundend und heilend entwickelt werden kann, bedarf es der Zeit und nicht des Mangels an Zeit und natürlich der rhythmischen Wiederholung. Ein anderer Kernpunkt besteht inhaltlich-pädagogisch in der Willenserziehung. Denn solange Schüler entwicklungspsychologisch noch ihre individuelle Schulreife erlangen müssen – in einem Prozess, der heute weniger vor der Schule als vielmehr in der Schule stattfindet: Solange können wir als Erziehende, Lehrer und Eltern unbedingt mit einer großen Einsatzfreude von Kindern bei zahlreichen Arbeiten und Tätigkeiten des Alltags, ja auch mit ihrer Hingabe an die uns umgebenden natürlichen Zusammenhänge des Lebens und der Arbeit des  Menschen rechnen. Kindheit müsste verkümmern, falls wir dieses kindliche Grundbedürfnis nach sinnvoller Tätigkeit und dem Erlebnis der Liebe zu unseren Aufgaben unterschätzen.

Darum gehören zum Konzept der „Erweiterten Anfangsklasse“ in gesteigerter Form die Grundbausteine der Waldorfschul-Erziehung. Das sind die kurz genannten Bereiche der Sinnespflege und der Willenserziehung, die altersgemäß im Vordergrund stehen. Der rhythmisch gestaltete Tag löst sich von der täglichen Stundenplan– Gestalt ab, zugunsten sinnvoller Tätigkeiten, die den Schultag ergänzen. Dabei ergeben oft die Jahreszeiten, was neben Arbeiten wie Werken mit Hölzern, Kneten und Plastizieren, Kochen, Backen, aber auch Putzen zum sinnbezogenen Tun gehört. Mehr Zeit für freies und geführtes Spiel draußen und drinnen, Zeiten für Rollen- und Märchenspiele und kurze, konzentrierte Arbeitsphasen für Formenzeichnen, für die erste Begegnung mit der Welt der Zahlen und das Eintauchen in eine Märchenwelt, aus der den Kindern doch manch ein Buchstabe und auch Wort so entgegenkommt, dass es in einem ersten Heft schon festgehalten werden darf, das alles sollte das Kind zum Beginn seiner Schulzeit erleben dürfen.

Da Sinn und Erfolg des erweiterten Konzepts eng mit dem Prozess individueller Reife verbunden sind, tritt als Rahmenbedingung hinzu, dass die neuen und zukünftigen Schüler in der erweiterten Anfangsklasse insgesamt ein oder auch zwei Jahre verweilen dürfen, um den Entwicklungsschritt eines schulreifen Schülers, der in die zweite Klasse wechseln kann, vollziehen zu können. Mit dem anschließenden Wechsel in die reguläre zweite Klasse (Förderschule) beginnt für den Schüler dann eine 7- jährige Klassenlehrerzeit, also bis zum Ende der 8. Klasse. Neu ist dabei, dass es einen Lehrer gibt, der in diesem Sinne die Anfangsklasse führt und darin bleibt. Auch hier eröffnen sich neue Möglichkeiten in der Zusammenarbeit mit den Eltern und der Planung und Gestaltung neuer Formen von Kinderbesprechungen und Therapie-Konferenzen rund um das Kind, die das individuelle Schicksal des Kindes zum Mittelpunkt haben.

Die Einsicht in menschenkundliche und letztlich schicksalsmäßige Zusammenhänge legen es nahe, dass Schüler der jetzigen Generation von uns etwas anderes erwarten als das, was uns schon vertraut geworden ist: Eine lieb gewordene Tradition.

Kinder betreten unsere Welt und schließen sich uns an, weil in ihnen die Zuversicht lebt, dass wir die Zukunft in ihrem Interesse gestalten helfen. Die Gestalter unserer Zukunft sind aber die Kinder selbst. Mit Kindern die Welt gestalten heißt, die Entwicklung der Kinder so ernst zu nehmen, dass wir ihnen die Zeit lassen, die sie brauchen, denn Schuleintritt und Schulreife markieren eine biografische Schwelle. So dürfen sich die Schüler wieder verbunden fühlen mit den eigenen Lebensimpulsen und diese lebendige Quelle, die aus der Kindheit fließt und an die Zukunft anknüpft, bildet für uns als Lehrer, Eltern oder Erzieher den pädagogischen Raum. Gemeinsam mit Eltern, Lehrern, Erziehern, Ärzten und Therapeuten wollen wir diesen Raum nicht nur äußerlich, sondern gerade auch als einen Innenraum mit Verantwortung für die Zukunft schützen und gestalten.


Schwerpunkte des Lehrplans der Oberstufe


 „Nicht für die Schule lernen wir, sondern für das Leben“ – Generationen von Schülerinnen und Schülern haben diesen Spruch gehört. Um den Inhalt dieser Aussage erlebbarer werden zu lassen, liegen die Schwerpunkte der Oberstufenarbeit vorrangig in der praktisch-künstlerischen Arbeit und in den Betriebspraktika „vor Ort“.

Neben dem Malen/Zeichnen und Plastizieren – je zwei Stunden pro Woche – arbeiten die Schüler der neunten und zehnten Klasse auch zweimal vier Stunden in den Werkstätten, der Schneiderei, Schreinerei, Metallwerkstatt und dem Töpferkeller, hinzu kommt eine Epoche Korbflechten. Hier wird gelernt, über einen längeren Zeitraum an einem Werkstück zu arbeiten. Das bedeutet, sich in Ausdauer zu üben, Konzentration und Sorgfalt aufzuzeigen, sich zu überwinden, auch weiter zu arbeiten und etwas zu Ende zu bringen, wenn es überhaupt keinen Spaß macht. Fast alle Schüler haben am Ende einer solchen Werk-Epoche ein „Aha“- Erlebnis, wenn sie es geschafft haben.

Ein zweiter Schwerpunkt ist die Vorbereitung auf die Arbeitswelt und den Übergang in das Berufsleben durch die Berufsorientierung. Während der Oberstufenzeit absolvieren alle Schüler insgesamt fünf Betriebspraktika.

Am Ende der Schulzeit sollte jeder wissen, was er eigentlich möchte, in welche Richtung er gehen will. Das kann erreicht werden durch eine praxisüberprüfte Einschätzung der eigenen Interessen und Fähigkeiten.

Es beginnt in der Regel mit dem ersten Schnupperpraktikum:

Wie sieht die Arbeitswelt „draußen“ eigentlich aus? Danach wird es ein Orientierungspraktikum und führt zu den Entscheidungspraktika, die in manchen Fällen sogar ein Ausbildungsangebot beinhalten.

Alle Praktika dauern einen Zeitraum von drei Wochen und sollten nach Möglichkeit wenigstens einmal den kaufmännischen Bereich, den handwerklich-technischen Bereich und den sozialen Bereich aufzeigen. Das bringt die Erfahrung mit sich, dass der eigentlich erträumte Beruf nun vielleicht doch nicht das Richtige für den Einen oder Anderen war.

Begleitet werden die Praktika durch die wöchentlichen Fachstunden Arbeitslehre/Berufskunde und die Vor- und Nachbereitung der individuellen Praktikumserfahrungen.

Die Berufsorientierung und Berufswahlvorbereitung wird unterstützt durch die Angebote der Kommunalen Weiterbildung Bochum/Herne, d. h. die Teilnahme an verschiedenen Schul-Bewerberseminaren. Der „BerufsWahlPass“ Bochum und Herne wird im Unterricht als Lernbegleiter und Wegweiser eingesetzt.

In den letzten Jahren hat sich das Konzept bewährt. Schon das vorzeitige Erleben und Kennenlernen einzelner und auch unterschiedlicher Betriebe und Betriebsstrukturen bedeutet für den Schüler, sich später etwas leichter entscheiden zu können, auch oder gerade, wenn er nicht sofort seinen individuellen Berufswunsch in die Tat zu einer Ausbildung umsetzen kann.

Das Berufsorientierungsbüro BOB ist von den Berufskundelehrern besetzt und bietet Berufsberatung, aber auch Hilfe beim Erstellen von Bewerbungsmappen oder der Vorbereitung von Praktika oder Bewerbungsgesprächen.


Förderschüler nehmen an Wettbewerben teil

Im Schuljahr 2010/2011 entschloss sich die Klasse 12c dazu, einen Film zu produzieren. Das Projekt ist bei Plus Punkt Kultur  des Ministeriums für Schule und Weiterbildung des Landes NRW in der dritten Ausschreibungsrunde vorgestellt worden und hat einen Preis erhalten.

In einem Zeitraum von drei Wochen hat die Gruppe um Joshua Conens (23) – Filmemacher – mit 12 Schülern einer 12. Förderklasse einen Kurzfilm realisiert.

In dem Projekt waren die SchülerInnen bei allen Aufgaben und Prozesse weitestgehend hauptverantwortlich. Ziel war es, dass die Schüler selber einen Film realisieren, von der Idee über den Dreh bis zum Schnitt.

Die jungen Filmstudenten standen  mit Rat und Tat zur Seite und halfen über die größten Hürden und ermöglichten den Schülern , ein eigenes Kunstwerk zu schaffen. Auf Wunsch der beteiligten SchülerInnen setzte sich die Förderklasse unter Anderem mit dem Thema “Berufsfindung” auseinandersetzen.

Siehe hierzu auch:

http://plus-punkt-kultur.de/?page_id=3436   http://www.medienberatung.schulministerium.nrw.de/app/Medienberatung/news.aspx?NNr=888

 




zurück zur Startseite